Pressemitteilung

Pflegeausbildung und Pflegestudium – Bundesregierung ohne Strategie

Zu der Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage erklärt Kordula Schulz-Asche:

„Der Bedarf an hochqualifizierten Pflegenden für die Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Pflegealltag und in die Ausbildung von Pflegefachkräften steigt. Obwohl ab 2020 große Veränderungen für die Pflegeausbildung und das Pflegestudium  anstehen, tappt die Bundesregierung weitgehend im Dunkeln.

In der Konzertierten Aktion Pflege haben die Minster*innen Giffey, Heil und Spahn – parallel zur Pflegeberufereform – einen Ausbau der Pflegeausbildungsplätze von 10 Prozent in Aussicht gestellt. Mehr Auszubildende bedeutet jedoch mehr Ressourcen und vor allem mehr Lehrpersonal.

Lehrende müssen zukünftig ein pflegepädagogisches Studium absolviert haben. Wie viele derzeit über einen derartigen Abschluss verfügen und wie sich der Bedarf an Pflegelehrer*innen entwickeln wird, ist der Bundesregierung gänzlich unbekannt.

Deutschland hat bei den Pflegeberufen einen enormen Nachholbedarf gegenüber seinen Nachbarländern. Wir brauchen dringend mehr Pflegekräfte mit unterschiedlichen Qualifikationen und Kompetenzen. Die Pflege darf nicht länger das ‚Stiefkind‘ des deutschen Gesundheitswesens bleiben.

Für die ambulante und stationäre Altenpflege liegt laut Bundesregierung der Anteil an pflegewissenschaftliche Hochschulabsolvent*innen bei jeweils unter einem halben Prozent.

Hiervon arbeitet der überwiegende Teil nicht in der direkten Pflege, sondern übernimmt Aufgaben in Verwaltung oder Leitung. Für das Krankenhaus konnte die Bundesregierung keine differenzierten Angaben machen. Ergebnisse vieler internationaler  Studien belegen jedoch den Zusammenhang von Qualifikation und Pflegequalität – der Wissenschaftsrat empfiehlt einen Akademisierungsanteil von bis zu 20% – und zwar in der Patientenversorgung, nicht in der Verwaltung.

Ab dem kommenden Jahr soll nun endliche ein Studium den direkten Berufszugang ermöglichen.

Die Praxisanleitung wird durch ‚geeignetes, in der Regel hochschulisch qualifiziertes Pflegepersonal‘ erfolgen. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenn bisher kaum akademisch ausgebildete Pflegeexpert*innen in der direkten Pflege arbeiten, wer leitet die Studierenden dann an?

Es müssen heute schon attraktive Arbeitsplätze für akademisch ausgebildete Pflegefachkräfte geschaffen werden, nicht nur um die Praxisanleitung zu gewährleisten, sondern auch um das vorhandene Potential an pflegerischer Fachexpertise im Sinne der Pflegebedürftigen optimal einzusetzen. Doch auch hier ist die Bundesregierung ideenlos.“