Gesundheitsauswirkungen der Klimakrise

Zur Kleinen Anfrage – Drucksache 18/5709

Kommentar von Kordula Schulz Asche MdB zur Einbringung der Kleinen Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Klimakrise:

Erst vor kurzem ging wieder eine Hitzewelle durch das Land. In manchen Regionen Deutschlands stiegen die Temperaturen auf über 40 Grad; ein neuer deutscher Hitzerekord wurde gemessen. Experten sind sich einig: Die Anzahl solcher heißen Tage wird sich in den kommenden Jahren noch erhöhen. Längere Hitzeperioden können dabei massive Auswirkungen auf die Gesundheit haben – besonders ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen sind davon betroffen. Bereits im Sommer 2003 gab es ca. 70.000 Todesfälle – selbst in Deutschland starben trotz eines flächendeckend ausgebauten und sehr leistungsfähigen Gesundheitssystems über 9.000 Menschen an den Hitzefolgen. Dies hätte bereits ein deutliches Alarmsignal sein müssen. Extremwetterereignisse wie Hitzewellen sind dabei nur ein Beispiel. Weitere Gesundheitsrisiken resultieren aus der Zunahme von Luftverschmutzung und der Zunahme von UV-Strahlung durch Ozonabnahmen sowie sozio-ökonomische Verwerfungen. Neben direkten Auswirkungen wie Todesfällen oder Erkrankungen hat die Klimakrise aber auch indirekte Konsequenzen wie veränderte Bedingungen für Infektionskrankheiten oder Folgen für die landwirtschaftliche Produktion.

Es ist unbestritten: Die Klimakrise hat schon jetzt – und stärker noch in Zukunft – Einfluss auf unsere Gesundheit. Die Lancet-Kommission warnt in ihrem aktuellen Bericht „Health and climate change: policy responses to protect public health“ eindringlich davor, dass die Klimakrise die jahrzehntelangen Bemühungen in den Bereichen Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit zerstören könnte. Die Experten prognostizieren, dass ohne einen ehrgeizigen Aktionsplan der Weltgemeinschaft die Errungenschaften der vergangenen 50 Jahre zunichte gemacht werden. Eine ambitionierte Politik zur Vermeidung der Klimakrise hingegen böte laut der Experten die größte Chance dieses Jahrhunderts für das Wohlergehen und die Gesundheit der Menschheit. So könnten z.B. durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung die Luftqualität verbessert und Atemwegserkrankungen vermindert werden.

Angesichts der Gesundheitsschäden durch den Klimawandel, aber auch auf Grund der positiven Gesundheitseffekte durch erfolgreiche Klimaschutzmaßnahmen hat die Grüne Bundestagsfraktion eine Kleine Anfrage eingereicht, damit diese Aspekte stärker in der meist sehr einseitig geführten Klimadiskussion Eingang finden. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Paris im November wollen wir deshalb den Druck auf die Bundesregierung erhöhen. So fragen wir bspw. nach ihrer nationalen und internationalen Strategie zur Minimierung der Gesundheitsrisiken durch die Klimakrise. Denn bisher wurden zwar viele Sachstandsberichte und Handlungsempfehlungen formuliert, es müssen jedoch endlich umfassende Maßnahmen ergriffen werden, um die Risiken der Klimakrise auch tatsächlich zu minimieren. Deutschland hat hier deutlichen Aufholbedarf. Wir brauchen zum einen Anpassungsmaßnahmen, wie beispielsweise Aufklärungskampagnen über mögliche Gesundheitsgefahren durch die Klimakrise, eine Anpassung der Ausbildung der medizinischen und gesundheitsbezogenen Berufe hinsichtlich möglicher Beeinträchtigungen der Gesundheit durch klimatische Einflüsse sowie ein stärkeres Engagement in der klimakrisenbezogenen Gesundheitsforschung. Zum anderen brauchen wir auch Maßnahmen innerhalb des Gesundheitssektors, um die Emissionen zu reduzieren, wie beispielsweise die Senkung der Energiekosten in Krankenhäusern. Das Thema Klimaschutz im Gesundheitssektor wurde fatalerweise viel zu lang ausgespart.

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