Sicherheit und Teilhabe für ältere und pflegebedürftige Menschen in der Pandemie sicherstellen

Zum vermehrten Ausbruchsgeschehen in höheren Altersgruppen und Pflegeeinrichtungen erklärt Kordula Schulz-Asche:

„Bei der Pandemiebekämpfung sollten wir immer die Sicherheit und die Teilhabe der besonders gefährdeten Menschen im Blick haben. Wir fordern seit dem Frühjahr, dass besonders gefährdete Menschen und alle, die mit ihnen zu tun haben, kostenfrei mit FFP2-Masken versorgt werden. Das gilt auch für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige, erst recht aber natürlich auch für Pflegekräfte. Die Verteilung von Gutscheinen für FFP2-Masken an ältere Menschen ist viel zu umständlich, lange Warteschlangen vor Apotheken sind in der jetzigen Situation nicht zielführend. Zusätzlich bräuchte es endlich auch Taxi-Gutscheine, damit der Weg zu notwendigen Arzt- und Therapiebesuchen nicht zur Infektionsfalle wird.

Schnelltests können helfen, das Virus aus Pflegeeinrichtungen fernzuhalten. Gleichzeitig darf die Durchführung der Tests nicht auch noch dem Pflegepersonal aufgehalst werden, das ohnehin überbelastet ist. Hier braucht es kreative Konzepte und möglicherweise ganz neue Formen der Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen, dem Katastrophenschutz und der Bundeswehr. Gleichzeitig müssen die Quarantäneregelungen für Einrichtungen auf den Prüfstand, während das individuelle Risiko der Bewohnerinnen und Bewohner in den Vordergrund rücken sollte. Je höher das individuelle Risiko, desto engmaschiger müssen auch die Schutzmaßnahmen sein.

Um den Menschen eine Perspektive über Wochenfrist hinaus zu geben, brauchen wir eine schlüssige Strategie, die sich aus der unabhängigen Expertise eines interdisziplinären, wissenschaftlichen Pandemierats speist. Insbesondere bei den Pflegeeinrichtungen befinden wir uns auch ein Dreivierteljahr nach Ausbruch der Pandemie in einem Blindflug. Wir wissen noch immer viel zu wenig darüber, wie die präventiven Maßnahmen der Pandemiebekämpfung umgesetzt werden oder wie sie auf das Infektionsgeschehen einwirken. Sicherlich kann mehr Personal helfen, vor allem brauchen wir aber mehr Wissen, um zielgenaue Maßnahmen ergreifen zu können.“

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